Es werde Zeit! Und sie ward.

Theologen sprechen von einem ewigen Gott, außerhalb unserer Zeit-Dimension. Für mich war das lange Zeit zu abstrakt. Aber nun habe ich eine Entdeckung gemacht, die ich mit-teilen möchte.

Im Unterricht reflektierten wir: Einstein lernte, dass Zeit nicht vorgegeben, unveränderbar, „ewig“ ist. Die Relativitätstheorie sagt, dass die Geschwindigkeit von Licht konstant ist, und darum Zeit nicht immer gleich schnell vergeht. Und so können wir davon ausgehen, dass Zeit ebenfalls Teil der Welt ist, die Gott geschaffen hat. Und dann macht es plötzlich Sinn: derjenige, der die Zeit geschaffen hat, kann sie natürlich auch beeinflussen.

Später, in der Uhren-Abteilung im Zwinger (Dresden) wurde mir bewusst, dass auch unsere Wahrnehmung von Zeit sich über die Jahrhunderte verändert hat. Wer keine Minuten messen kann, misst sein Leben nicht in Minuten. Die treibende Kraft, immer genauere Uhren zu entwickeln, war die Astronomie: um besser die Bewegungen der Himmelskörper verstehen zu können. Und tatsächlich sagt die Schöpfungsgeschichte, dass genau das die Aufgabe der Sterne ist (1. Mos 1:14).

(© Photo by Leo Reynolds – CC BY-NC-SA 2.0)

Hat Gott Humor?

Ich weiß, die Frage klingt witzig. Vermutlich wird sie meistens von Kindern gestellt, die Erwachsenen sind schon zu sehr im Ernst des Lebens gefangen. Aber jetzt mal ernst: Gott zeigt Gefühle, die Bibel ist voll davon. Er weint, lacht, freut sich, ist zornig, traurig, eifersüchtig; und manche Verse legen sogar nahe, dass er tanzt. Warum haben wir solche Probleme, uns das vorzustellen?

Schuld sind, wie so oft im Westen, die alten Griechen. Aristoteles stellte sich Gott als Ursprung aller Bewegung vor: die Menschen bewegen Objekte, die Sterne bewegen die Menschen, und der „unbewegte Beweger“ bewegt die Sterne. Einige Theologen im Mittelalter fand diese Philosophie so spannend, dass sie sie benutzten, um den christlichen Glauben zu erklären. In dieser strikten Hierarchie der Dinge ist aber kein Platz für ein Gott, der von Menschen „bewegt“ wird: warum sollte ein allmächtiger Gott über den Zustand der Menschheit weinen? Weil er liebt.

Zurück zur Ursprungsfrage. Die Bibel sagt nichts über Humor (wie auch, das Wort gibt es in dieser Form erst seit einigen Jahrhunderten) und wenig über Witze. Einige Passagen sind definitiv sarkastisch gemeint oder stark übertrieben; es gibt Wortspiele und viel Situationskomik (siehe unten, S. 9). Aber witzigerweise klingt nicht alles in jeder Übersetzung witzig – vielleicht haben die Bibelübersetzer es manchmal zu ernst genommen?

All diese Indizien legen nahe, dass Gott Witze verstehen kann. Vermutlich hat er unseren Humor geschaffen. Natürlich gibt es auch Humor, der für falsche Zwecke eingesetzt wird: er überschreitet Grenzen und lacht den aus, der ihn dafür bestrafen will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott solche unverantwortlichen Witze mit uns macht, wofür hat er uns denn die „Würde des Menschen“ gegeben. Und so ist es auch unsere Aufgabe, Humor konstruktiv einzusetzen.

Und ich habe das Gefühl, dass in unserer derzeitigen Gesellschaft Humor überbewertet wird. Nicht umsonst reden wir von einer „Entertainment“-Gesellschaft. Aber wenn Gott Humor hat und uns Humor schenkt, will ich lernen, es als gute Gabe anzunehmen und auszuüben.

 

Diese Gedanken sind eine Zusammenfassung meiner Seminar-Arbeit. Wer sie lesen möchte und gut genug englisch kann, ist herzlich dazu eingeladen:

Why on Earth – Laughter? A seminar paper about Raymund M. Smullyan: „Planet Without Laughter“

(© Photo by carnifex82 – CC BY-NC-SA 2.0)